Prokritee (Bangladesch)

Prokritee beschäftigt etwa 1500 Kunsthandwerker in ländlichen Regionen in ganz Bangladesch. Die Organisation geht zurück auf vom MCC seit den 1970er Jahren gegründete Produktionszentren. Seit 2001 ist Prokritee unter diesem Namen selbstständig.

Die Produktionszentren wurden seinerzeit in von der modernen Infrastruktur noch weitgehend abgekoppelten ländlichen Regionen, in Dörfern, wo es keinerlei Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft gab, errichtet. Einige der Produktionszentren waren in der Anfangszeit während des Monsuns nur mit dem Boot zu erreichen, da keine befestigten Straßen dorthin führten. In den Zentren finden die Frauen aus der Landbevölkerung Ausbildung und Arbeit. Großen Wert legt man auf ein regelmäßiges Einkommen, mit dem die Frauen fest rechnen und wirtschaften können. Ein Teil der Erlöse wird auch für die Entwicklung der Gemeinden eingesetzt, wofür genau, darüber stimmen die Produzentinnen ab - so schaffte man in einem Zentrum einen mobilen Teestand an, mit dem nun auch Geld verdient wird. Ungewöhnlich für Bangladesch ist, daß auch fürs Alter vorgesorgt wird. Viel zahlen kann Prokritee den Frauen nicht, die hauptsächlich sehr einfache Deko-Produkte herstellen, die nicht viel Geld einbringen - aber ein Teil des Geldes wird auf ein Sparkonto eingezahlt, sodaß die Frauen im Rentenalter ein Guthaben erhalten. Rund um die Produktionszentren haben sich über die Jahre kleine Geschäftszonen entwickelt, denn erst durch die Zentren gab es überhaupt Bargeld-Einkommen und damit Bedarf an Handel. Die Rohstoffe, die verarbeitet werden, sind meist regional - aus diversen Pflanzenresten wird handgeschöpftes Papier hergestellt, aus dem dann Grußkarten und vielfältige Deko-Artikel entstehen. Aus Palmblättern und Ähnlichem werden Girlanden oder Körbe geflochten. Sehr viele Produkte entstehen aus den Blättern der Wasserhyazinthe, einer Wasserpflanze, die als schnellwachsendes Unkraut die unzähligen Fischtümpel des Landes überwuchert und erstickt.

Die beschäftigten Frauen wählen aus ihren Reihen eine Vorsitzende, die regelmäßig nach Dhaka zum Hauptsitz der Organisation fährt, dort berichtet und vor allem auch die Anliegen der Frauen vertritt. Sie vermittelt, wenn eine Frau einen Kredit benötigt oder jemand schwer erkrankt - denn zwar gibt es keine regelrechte Krankenversicherung, aber Prokritee hilft natürlich bei Behandlungskosten aus. Prokritee legt großen Wert auf Bildung. Hier dürfen nur Frauen arbeiten, die bereits volljährig sind - und die Frauen werden sehr dazu angehalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. In den Dörfern gibt es auch heute noch kaum eine Möglichkeit, regelmäßige Arbeit zu finden, die Männer verdingen sich neben der Farmarbeit und Fischzucht für den Eigenbedarf als Tagelöhner auf dem Bau - so ist in vielen Familien der Verdienst der Frauen in den Produktionszentren das einzige regelmäßige Einkommen.

 
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