Shafiqul (Bangladesch)

Shafiqul Islam betreibt mit seiner Frau Kamrun und inzwischen auch seiner Tochter Shorna seit den 1990ern eine Kerzenfabrik. Schon von Beginn an ist er im Fairen Handel tätig. Niederländische Weltladenorganisationen haben ihn dabei unterstützt, seine Kerzen für Europa marktfähig zu machen, sowohl was die Sicherheitsbestimmungen als auch die optische Qualität betrifft. Über die Exportorganisation Aarong hat er bereits seit vielen Jahren Weltläden in ganz Europa beliefert.. Doch Aarong, eine große Warenhauskette in Bangladesh, hat das Exportgeschäft zu Beginn diesen Jahres aufgegeben.

Zufällig schrieb nun Shorna, die eigentlich Architektur studiert, aber ihren Vater mit ihren Englisch-Kenntnissen unterstützt, uns gerade fünf Tage vor unserem ersten Besuch in Bangladesch eine E-Mail und bot uns ihre Kerzen an. Shafiqul wollte auch weiterhin im Export bleiben, denn damit erzielt er die Hälfte seines Umsatzes - und im lokalen Markt sind die Margen viel geringer.

Bei einem Besuch in der Werkstatt konnten wir uns von der Qualität der Kerzen ebenso überzeugen wie von den Arbeitsbedingungen. Die sehr umfangreichen Vereinbarungen zum Fairen Handel, die Shafiqul mit der Fahrhandelsorganisation Aarong getroffen hatte, bleiben erhalten - und damit gibt es hier wirklich vorbildliche Sozialstandards, die auch alle vertraglich festgelegt sind. Die 17 MitarbeiterInnen sind fest angestellt. Die Fabrik in Dhaka zieht sich über zwei Stockwerke. Unten gießen Männer die Kerzen, darüber werden sie von Frauen feingeschliffen und verpackt, alle Räume sind hell, gut durchlüftet, sauber und geräumig, es gibt Feuerlöscher, sogar einen Löschschlauch, Sand sowie zwei Treppenhäuser - also sogar Fluchtwege. Im obersten Stockwerk lebt Shafiqul mit seiner Familie, hier werden auch noch Kerzen gelagert und er hat ein Büro.

Neben dem anfangs nicht sehr üppigen Grundlohn, der allerdings jedes Jahr um 10-15% steigt, gibt es vertraglich fest vereinbarte Boni in Höhe des Grundlohns zu den Eid-Festen. Überstunden werden vollständig bezahlt, und die dazugehörige Lohnabrechnung wird transparent und verständlich geführt. Aus der Fairhandelsvereinbarung ergibt sich, daß Shafiqul verpflichtet ist, den Angestellten nach 10 Jahren Betriebszugehörigkeit 100.000 Taka als Bonus auszuzahlen - etwa 950 Euro. Freiwillig zahlt er aber bereits nach 7 Jahren die 10.000 Taka pro Jahr, wenn jemand die Firma verlässt, und er spart auch über die 10 Jahre hinaus für seine Leute. Sämtliche Kosten für den Schulbesuch der Kinder übernimmt Shafiqul, der sich sehr darum bemüht seine Mitarbeiter vom Nutzen der Schulbildung zu überzeugen. Ein Zugang zur Krankenversicherung sollte über die Organisation Aarong, mit der Shafiqul auch weiterhin am lokalen Markt zusammenarbeitet, geschaffen werden - bisher übernimmt er die Kosten für Behandlungen im vertretbaren Rahmen selbst, auch dies ist vertraglich vereinbart. Shafiqul gewährt seinen Angestellten zinslose Darlehen bis zu 50.000 Taka, und es gibt 6 Monate Schwangerschaftsurlaub bei halbem Lohn.

Sehr überzeugend ist auch die Qualität der Kerzen, die in dieser Manufaktur entstehen - und die vielen originellen Ideen, die es uns sehr schwer machen, uns zu entscheiden.

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